
Raja Yoga, oft auch als „königlicher Weg” bezeichnet, ist neben Gyana, Bhakti und Karma Yoga einer der vier Hauptwege des Yoga. Der Begriff Raja bedeutet im Sanskrit „König” oder „königlich”.
Raja Yoga ist der Weg der Selbstdisziplin und Praxis. Raja Yoga ist nicht nur körperliche Praxis, sondern auch Meditation; es ist eine umfassende Disziplin der Selbstbeherrschung, die Geist, Körper und Seele miteinander verbindet.
Die Essenz des Raja Yoga
Im Kern ist Raja Yoga der Weg der Selbstdisziplin und inneren Selbstbeherrschung. Er lehrt, dass spirituelles Wachstum aus der bewussten Kontrolle von Gedanken, Emotionen und Handlungen entsteht. Diese Weisheit ist in Patanjalis Yoga Sutras niedergelegt, die Raja Yoga als einen achtfachen Weg darstellen, der dazu dient, den Geist zu reinigen und ein höheres Bewusstsein zu erwecken.
Patanjali betont die Bedeutung der inneren Herrschaft:
„Als innerer Herrscher (antaryamī) musst du deinen Geist (manas) und deine Sinne (indriyas) beherrschen. Wenn der König die Kontrolle verliert, zerfällt das Königreich.“
Dies unterstreicht die Bedeutung der Selbstbeherrschung im Raja Yoga, wo die Kontrolle über den Geist für das spirituelle Wachstum unerlässlich ist.
In ähnlicher Weise lehrt Hindu Dharmsamrat Paramhans Sri Swami Madhavananda (Holy Guruji) in einem Bhajan:
„Ahimsā dharm se koī ūñcā dharm nahī̃ Srī Mahāprabhujī ne batāyā saba hī grantha santa janõ ne vedõ kā sār samajhāyā.”
Das bedeutet: „Es gibt kein höheres Dharma als Ahimsa. Sri Mahaprabhuji hat dies gelehrt. Alle Schriften und Heiligen haben dies anerkannt, und die Essenz der Veden wurde dadurch verstanden.”
Diese Lehre bekräftigt, dass Ahimsa (Gewaltlosigkeit) das höchste spirituelle Gesetz ist, das von Heiligen, Schriften und der Essenz der Veden selbst anerkannt wird.



Ahimsa: Die Grundlage des Raja Yoga
Ahimsa geht über physische Gewaltlosigkeit hinaus. Es umfasst Gedanken, Worte und Absichten sowie ein mitfühlendes Leben. Ahimsa zu praktizieren bedeutet, auf jede Form von Schaden zu verzichten – in der Erkenntnis, dass alle Wesen das Leben schätzen und Schmerz empfinden.
Aus diesem Grund fördert Ahimsa auch achtsames Leben, freundliche Sprache, positives Denken und ethische Entscheidungen wie den Verzicht auf Gewalt gegenüber Tieren. Patanjali stellt Ahimsa an die erste Stelle der Yamas und erinnert uns daran, ständig zu reflektieren:
Sind meine Handlungen, Worte und Gedanken von Gewaltlosigkeit geprägt?
Ohne Ahimsa können höhere yogische Praktiken keine dauerhaften Früchte tragen.

Der achtfache Pfad des Raja Yoga
Patanjalis Yoga Sutras (Samadhi Padā , übersetzt und kommentiert von Vishwaguru Mahamandaleshwar Paramhans Sri Swami Maheshwaranandaji, bieten einen umfassenden Rahmen für die Praxis des Raja Yoga, unterteilt in acht Schritte, auch bekannt als Ashtanga Yoga (Acht Schritte des Yoga), die auch in dem Buch Yoga im täglichen Leben, Das System beschrieben werden.
Diese Schritte führen den Praktizierenden zu tieferer Selbsterkenntnis und spiritueller Verwirklichung:
1. Yama (Selbstbeherrschung, ethische Beschränkungen): Ahimsa – Gewaltlosigkeit; Satya – Wahrhaftigkeit; Asteya – Nicht-Stehlen; Brahmacharya – Reine Lebensweise; Aparigraha – Nicht-Anhäufung von Besitztümern.
2. Niyama (Befolgung, Disziplin): Shauca – Reinheit; Santosh – Zufriedenheit; Tapas – Selbstbeherrschung, Selbstdisziplin; Svadhyaya – Studium der Heiligen Schriften; Ishvara Pranidhana – Hingabe an Gott.
3. Asana – Körperliche Übungen: Kultivierung stabiler und bequemer Körperhaltungen für körperliche und geistige Stabilität.
4. Pranayama – Atemübungen: Durch die Kontrolle des Atems erlangt man auch die Kontrolle über den Geist.
5. Pratyahara – Zurückziehen der Sinne: Sich nach innen wenden, indem man die Sinne von äußeren Ablenkungen zurückzieht.
6. Dharana – Konzentration: Die Gedanken und Gefühle auf ein einziges Objekt fokussieren.
7. Dhyana – Meditation: In der Meditation erlebt man das reine Sein. In dem Moment, in dem der Intellekt still ist und das individuelle Ego aufhört zu existieren, strahlt göttliches Licht im Herzen, und wir sind eins mit ihm.
8. Samadhi – Vollständige Verwirklichung: Samadhi ist der Zustand, in dem der Wissende (die praktizierende Person), das Wissen (was Gott ist) und das Objekt des Wissens (Gott) eins werden. Das bedeutet, dass man sich mit dem göttlichen Bewusstsein vereint.
Diese Stufen sind miteinander verwoben und sollten regelmäßig praktiziert werden, um ein ganzheitliches System zu bilden, das über einfache Körperhaltungen hinausgeht.




Raja Yoga im täglichen Leben
Raja Yoga erfordert eine Veränderung des Bewusstseins, wodurch jeder Moment zu einer Gelegenheit für Achtsamkeit und spirituelles Wachstum wird. Es geht nicht nur um festgelegte Sitzungen, sondern darum, jeden Teil des Lebens mit der Disziplin und dem Bewusstsein des Yoga zu durchdringen.
Wie Vishwaguruji lehrt: „Wahre Praxis erfordert 24-Stunden-Bewusstsein. Deshalb nennen wir es ‚Yoga im täglichen Leben‘.“
Dieser Ansatz integriert yogische Prinzipien in Arbeit, Beziehungen, Herausforderungen und Emotionen. Ein Yogi strebt danach, auch in schwierigen Situationen Ausgeglichenheit und Achtsamkeit zu bewahren und mit Klarheit statt mit Reaktionen zu reagieren.
Vishwaguruji fasst diese praktische Weisheit wunderschön zusammen:
„Yoga ist keine Philosophie, sondern eine praktische Wissenschaft, die man erleben kann.”


Der Umgang des Yogis mit Ärger und Wut
Auch ein Yogi kann Wut empfinden, aber der Unterschied liegt darin, wie diese Wut ausgedrückt und losgelassen wird.
Adi Guru Shankaracharya erklärt:
„Die Wut eines Yogis ist wie ein Schlag mit einem Stock auf Wasser – sie verursacht eine vorübergehende Störung, hinterlässt aber keine Spuren.“
Im Gegensatz dazu ist unkontrollierte Wut wie eine Linie, die in Stein geritzt wird – dauerhaft und schädlich. Raja Yoga lehrt emotionale Beherrschung, indem es Gefühle zulässt, ohne bleibende Narben bei sich selbst oder anderen zu hinterlassen.

Fazit: Die königliche Reise nach innen
Raja Yoga ist eine lebenslange Reise der Disziplin, des Bewusstseins und des Mitgefühls. Ein wahrer Yogi trägt diese Praxis in jeden Aspekt seines Lebens, zu Hause, bei der Arbeit und in der Gesellschaft, und schafft so ein Gleichgewicht zwischen innerer Stille und äußerer Verantwortung.
Durch den achtfachen Pfad, die Praxis von Ahimsa und die Integration von Yoga in das tägliche Leben bietet Raja Yoga einen vollständigen Leitfaden zur Selbstbeherrschung und spirituellen Verwirklichung.
Indem er diesen königlichen Weg beschreitet, wird der Praktizierende zum König seines eigenen Selbst und regiert den Geist, die Sinne und die Emotionen mit Weisheit und Anmut. Obwohl dies anspruchsvoll ist, sind die Belohnungen tiefgreifend: Frieden, Klarheit, Befreiung und Einheit mit dem Göttlichen.

Meditiere mit Vishwaguruji
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Selbstbefragungsmeditation – Gedanken analysieren

QUELLEN:
1. Bhajan Book, eine Sammlung spiritueller Lieder. Herausgeber: Mahamandaleshwar Paramhans Swami Maheshwarananda
2. Patanjalis Yoga Sutras, Samadhi Pada. Übersetzung und Kommentar: Paramhans Swami Maheshwarananda
3. Yoga im täglichen Leben, Das System. Autor: Paramhans Swami Maheshwarananda
Siehe: Raja Yoga: The Path of Discipline and Practice
