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Von H.H. Mahamandaleshwar Paramhans Maheshwarananda
Heutzutage begegnet uns das Wort `Yoga´ sehr oft in unserem Alltag. Wir treffen darauf in Büchern, Zeitungen, hören darüber im Radio, in Vorträgen oder im Gespräch mit unseren Freunden. Wahrscheinlich hat man den Begriff schon einmal gehört und sich sein eigenes Bild von Yoga gemacht. Vielleicht verbindet man das Wort Yoga mit einem gesunden und biegsamen Körper in einer ungewöhnlichen Körperposition, einen bewegungslosen Yogi in Meditation oder mit der östlichen Philosophie. Yoga ist all das und dennoch viel mehr!
Es ist äußerst schwer, Yoga in kurzen Worten zu beschreiben. Gleichwohl stellt Yoga eines der vollkommensten und ganzheitlichen Systeme dar: es ist eine vollkommene Sicht auf das Leben, auf die Menschheit und andere Lebewesen sowie den gesamten Kosmos. Yoga lehrt uns, dass alle zuvor genannten Lebensaspekte untrennbar miteinander verbunden sind und wir nur durch die Verwirklichung und Erfahrung dieser Vollkommenheit unseren inneren Hunger nach Wissen und immerwährendem Glück stillen können.
Die Wissenschaft des Yoga ist ein kostbares Geschenk der Indischen Weisen, welche die vollkommene Verwirklichung aller Lebensgesetze erlangten. Trotz der Tatsache dass Yoga, geographisch gesehen, in Indien seinen Ursprung hat, ist seine uralte Weisheit universell und ewig.
Betrachten wir Yoga unter folgenden Blickwinkeln:
YOGA ALS UNIVERSELLES PRINZIP
Yoga ist ein allgemein gültiges Konzept, welches die Ganzheit und Vollständigkeit aller kosmischen Prinzipien repräsentiert. Das Wort Yoga bedeutet Vereinigung. Durch die Vereinigung von einzelnen Elementen und den kosmischen Kräften wurden unser Planet sowie das gesamte Universum geschaffen. Bei diesem Schöpfungsprozess manifestiert sich das kosmische Prinzip der Vereinigung – wir können es Gott nennen, Kosmische Energie, Liebe oder Yoga.
Es gibt tausende von Sonnensystemen im Universum und ihre Existenz wird von einem Bewusstsein regiert. Dieses eine, ewige, unveränderbare und stets wache Bewusstsein ist PARABRAHMA, welcher in jedem Atom gegenwärtig ist. PARABRAHMA ist keine Person, dieses Prinzip verfügt weder über eine Form noch über einen Namen. Wir nennen es einfach Licht, Klang, das Absolute, die Wahrheit, Ewigkeit, Gott. Dieses höchste Prinzip, welches die ganze Schöpfung im Gleichgewicht hält und erhält, ist Yoga.
In der Bhagavad-Gita sagt Krishna zu Arjuna: “Ich gab der Sonne dieses Yoga.” Wie sollen wir dies verstehen? Die Sonne ist auch keine Person. Die Sonne ist ein Teil des Universums, ihr Licht und ihre Energie ermöglicht und erhält unser Leben. Diese Kraft oder Energie, welche durch die Vereinigung und Verdichtung zur Sonne wurde, ist Yoga, von welchem Krishna spricht. Dieses Yoga, dieses Prinzip ist daher viel älter als die Menschheit und nicht etwas, was vom Menschen erfunden wurde.
Das Interesse für Yoga erwachte in den Menschen, als diese grundlegenden Fragen im menschlichen Geist erwachten:
Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Warum bin ich hier? Erfülle ich meine Aufgabe?
Seit Anbeginn der Menschheit versucht der Mensch, das Geheimnis der Bedeutung des Lebens zu ergründen. Aus Erfahrung wissen wir, dass das Leben mit Leid verbunden ist. Jedes einzelne Lebewesen strebt auf die eine oder andere Weise danach, glücklich zu sein. Jedoch alles, woran wir uns voll Hoffnung klammern, enttäuscht uns früher oder später oder verschwindet nach einiger Zeit und wir befinden uns selbst wieder am Anfang unserer Suche. Aber sind wir wirklich nichts als hilflose Blätter, welche der Wind des Schicksals und der Umstände herumwirbelt, und wir können nichts daran ändern?
Vor vielen tausenden Jahren entstand im alten Asien eine Lehre, welche eine andere Sichtweise der Welt und des Universums bietet, eine neue Philosophie und vielleicht – die Lösung. Diese Wissenschaft, die Philosophie des Yoga‑Vedanta, wurde von den indischen Yogis und Weisen entwickelt, welche durch tiefe Meditation das vollständige Wissen aller Gesetze des Lebens erfuhren, die Bedeutung des Lebens fanden und sich selbst von dem ewigen Wechselbad von Freude und Leid befreiten. Sie wurden von dem Wunsch geleitet, allen Menschen in verschiedenen Lebenslagen sowie ohne äußere Werkzeuge zu helfen. Sie suchten nach einer Methode, welche nur davon abhing, was jedem zur Verfügung stand: Körper, Intellekt und Geist.
Die Essenz der Philosophie des Vedanta ist die Einheit (Nicht-Dualität) allen Lebens – wir alle sind eins. Dies mag schwer zu verstehen sein und noch schwerer zu erkennen. Wir alle sprechen von: meinem Körper, meinen Händen, meinem Kopf, meinen Gedanken, meinen Gefühlen, … und wir alle identifizieren uns mit dem Wort „ich“. Aber wer ist es, der sagt: „Dies ist mein und das bin ich.“? Du bist nicht dieser Körper, dieser Intellekt, Gedanke, diese Gefühle oder diese Erfahrungen. Du hast all dies, aber du bist dies nicht. Wer bist du dann?
Du bist das Selbst, der unsterbliche ATMA.
Machen wir ein Experiment: jemand hält ein Buch in seiner Hand und fragt dich, wessen Buch dies ist. Mittels einer Geste deiner Hand zeigst du, dass es dir gehört. Wahrscheinlich weist du auf deine Brust und vermittelst somit, dass du es besitzt. Diese Geste hängt nicht von deiner Kultur ab, deinem Land oder deiner Rasse, sie ist international und universell. Du zeigst hierbei nicht auf deinen Kopf oder Magen, sondern vielmehr in die Gegend deines Herzens. Wenn wir einen Brief schreiben, senden wir stets unsere herzlichen Grüße und nicht „Kopfgrüße“. Man kann sagen, dass das, was wir „ich“ nennen, seinen Platz in unserem Herzen hat. Das Selbst, der Atma wohnt in unseren Herzen. Er ist ein göttliches, lebendes Licht, welches niemals stirbt. Der Tod kann nur den Körper zerstören, jedoch kann er dem Atma nicht schaden. Der Atma lebt ewig, der Atma ist das Leben. Der Yogi sagt: „Ich bin SAT-CIT-ANANDA ATMA – Ich bin die Wahrheit, das reine Bewusstsein, ich bin Glückseligkeit, ich bin das göttliche Selbst.“
Wie können wir die Worte "Wir sind alle eins” erklären? Nehmt zwanzig Schalen und füllt sie mit Wasser. Stellt sie in einer Vollmondnacht in euren Garten und betrachtet sie. In jeder Schale werdet ihr den Mond auf der Wasseroberfläche wahrnehmen. Aber befinden sich am Himmel zwanzig Monde? Nein, es gibt nur einen, welcher sich in allen Schalen reflektiert. Daher sagen wir: Einer in allen und alle in Einem.
In allen Lebewesen, den Menschen genauso wie den Tieren wohnt derselbe Atma, welcher das reine göttliche Licht ist. Gott spiegelt sich selbst in allen Lebewesen wider, genauso wie der Mond in den verschiedenen Schalen reflektiert. Wenn das Wasser nicht rein genug ist oder seine Oberfläche nicht ruhig ist, wird die Reflexion nicht klar sein. Der Mond am Himmel jedoch ist immer derselbe, unberührt, nur seine Reflexion verändert sich von Schale zu Schale. Genauso ist Gott immer in uns, allerdings sind wir uns dessen nicht bewusst, da unser Geist und unser Bewusstsein nicht rein und ruhig genug sind.
Können wir Gott sehen? Und mit welchen Augen? Gott hat zwei Aspekte: NIRGUNA und SARGUNA. NIRGUNA ist Seine universelle Form, welche wir mit unseren physischen Augen nicht wahrnehmen können. Wir können sie mit unseren inneren Sinnen wahrnehmen, als transzendentales Licht oder Klang, oder erfahren sie als das universelle Wissen und Weisheit. Und wenn man Gott in SARGUNA-Form sehen will, betrachtet man die Schöpfung und entdeckt Ihn in allen Lebewesen. Gott reflektiert sich Selbst in jeder Schale des Lebens.
YOGA ALS PERSÖNLICHE ENTWICKLUNG
Jeder möchte gesund sein, zufrieden und glücklich und wir alle streben auf unsere eigene Weise danach. Jedoch besonders heutzutage leiden Menschen auf der ganzen Welt mehr als je zuvor in der Menschheitsgeschichte an Stress und Lasten, welche sie nicht mehr kontrollieren können. Nach einigen erfolglosen Versuchen zu entspannen, suchen viele Menschen ihr Wohl in Beruhigungsmitteln, Schlaftabletten, Alkohol und dergleichen.
Yoga lehrt uns, dass Friede und Zufriedenheit nur durch die Ausbalancierung und Harmonisierung unseres gesamten Wesens auf allen Lebensebenen erlangt werden kann. Wir wissen, dass wir aus vielen Aspekten bestehen: dem physischen Körper, dem mentalen Körper, dem feinstofflichen Körper und dem kausalen Körper. Wenn wir glücklich und zufrieden sein wollen, müssen wir all diese harmonisieren. Die Methoden und Techniken des Yoga bieten uns eine perfekte Art und Weise, um dieses Ziel zu erreichen: sie führen uns systematisch und allmählich durch Körperhaltungen bzw. -übungen (Asanas), Atemübungen (Pranayama), Entspannung, Versenkung bzw. Kontemplation und eine positive Denkweise zu physischer Gesundheit, Ruhe und Wissen über uns selbst. Überdies helfen sie uns, alle Illusionen und Komplexe aufzugeben, welche uns als Hindernisse auf unserem Weg zu einem glücklichen und erfüllten Leben im Weg stehen.
Yoga ist zunächst ein praktischer Weg – wir müssen alles selbst erkennen, verwirklichen und erreichen. Niemand kann uns Gesundheit, Glück und Zufriedenheit schenken, noch können wir diese kaufen oder durch äußere Mittel erlangen. Sie liegen in uns selbst und nur unsere eigenen Bemühungen werden uns helfen, diese zu finden und zu verwirklichen.
Auf unserem Weg zur Selbstverwirklichung entdecken wir allmählich all unsere inneren Eigenschaften und Gefühle, seien sie gut oder schlecht. Man sagt, dass der Yogaweg manchmal schwerer ist als der Kampf eines heldenhaften Soldaten, da ein Yogi seine inneren Feinde, wie Lust, Zorn, Anhaftung, Gier, Eifersucht und Stolz bezwingen muss. In diesem Kampf ist es äußerst wichtig, dass wir uns selbst verstehen und akzeptieren, ohne Gefühle von Schuld oder Enttäuschung, und dass wir bereit sind, alle schlechten Eigenschaften, welche unser wahres Selbst binden, aufzugeben.
Yoga stellt ein System von Übungen und Methoden dar, welche uns zur Erleuchtung führen können, jedoch nur wenn diese mit Zuversicht, Vertrauen, Disziplin und starkem Willen praktiziert werden. Diese Übungen und Techniken sind Teil des alten Wissensschatzes, welcher von den spirituellen Lehrern seit vielen tausenden von Jahren an ihre Schüler weitergegeben wird.
Yoga besteht aus mehreren Wegen, welche untrennbar miteinander verbunden sind. Jedes Stadium unserer Entwicklung erfordert eine gewisse Art an yogischer Disziplin, welche wiederum von der inneren Natur des Schülers abhängt. Karma Yoga ist der Weg der selbstlosen Arbeit für das Wohlergehen aller Lebewesen. Bhakti Yoga ist die Verwirklichung der Liebe und Hingabe an die noblen Prinzipien. Gyana Yoga bedeutet die Entwicklung des Wissens und Verstehen der Gesetze des Lebens. Raja Yoga besteht aus Techniken und Übungen, welche die Fähigkeiten unseres Körpers ausbauen und die Potentiale unseres Intellektes und Geistes entwickeln.
YOGA ALS NICHT-DOGMATISCHER SPIRITUELLER WEG
Obwohl wir viel von Gott sprechen und sagen, dass Yoga der Weg zu Gott ist, ist Yoga weder eine Religion noch eine religiöse Sekte. Gott ist ein universelles Prinzip, kosmisches Licht, ewig waches Bewusstsein, welches alles Leben durchdringt. Dieser Gott ist einer und wohnt in allen. Wir geben Ihm unterschiedliche Namen und haben unterschiedliche Vorstellungen von Ihm – wir nennen Ihn Heiliger Vater, Allah, Ishwara, Göttlicher Wille, Liebe, das Höchste Selbst und so fort. Es gibt so viele Vorstellungen von Gott, wie es Menschen auf der Erde gibt. Jeder schafft sich sein eigenes Bild von Gott und seine eigenen Meinung von Gott gemäß der Stufe seiner spirituellen Entwicklung. Wer sich Gott gemäß der Vorschreibungen anderer vorstellt, hat nur ein „geborgtes“ Bild von Ihm und keine eigene lebendige Vision.
Die Essenz von Yoga und allen Religionen ist tatsächlich dieselbe – spirituelle Entwicklung des Menschen und die Verwirklichung des Selbst und Gottes als das letzte Ziel. Leider ist dieses Ziel bei allen Religionen irgendwie im Laufe der Zeit verblasst und ging beinahe verloren: Einfachheit und Direktheit wurden durch Geheimnistuerei und Unerreichbarkeit ersetzt, Gott wurde zu etwas weit Entferntem, begrenzt durch Systeme an Dogmen. Andererseits wurde das Wissen des Yoga immer von Menschen, welche Gott selbst verwirklicht haben, weitergegeben an jene, welche sich noch auf der Suche nach Ihm befinden. Solche Meister, die wirklichen spirituellen Meister, kann man heute noch finden. Jedoch muss man äußerst vorsichtig sein, wem wir unser Vertrauen schenken, denn es gibt Personen, die das Verhalten der spirituellen Meister nur äußerlich imitieren, jedoch nicht über das höchste Wissen verfügen und deren Lehren unvollständig oder sogar irreführend sind. Wir können einen wirklichen Meister nicht durch sein Äußeres erkennen, sondern müssen auf unser Herz hören.
Yoga vereint die positiven Prinzipien aller Weltreligionen: Gewaltlosigkeit, Verständnis, Hilfe, Vergebung, Hilfe für andere, Wohltätigkeit, …
Yoga lehrt, dass jeder Gott erreichen und verwirklichen kann. Es gibt natürlich kein universelles Rezept, jeder muss seinen eigenen Weg finden. Yoga kann uns bei unserer Suche helfen und uns führen, es bietet dem Suchenden die Erfahrung vieler tausender Jahre und die lebenden Beispiele von heiligen Männern und Weisen, welche dieses höchste Ziel erreichten, an.
Es ist nicht wichtig, welchen religiösen Glauben (oder auch keinem) wir angehören, da uns Yoga bei jeder Art des positiven Denkens und Lebensweise unterstützt. Yoga vereint die positiven Prinzipien aller Weltreligionen: Gewaltlosigkeit, Verständnis, Hilfe, Vergebung, Wohltätigkeit, …
Yoga als solches ist ein universeller spiritueller Weg, welcher auf seinen eigenen Erfahrungen gründet und nicht auf den Erfahrungen und Regeln anderer, deren Bedeutung sich geändert hat und im Laufe der Zeit verloren ging.
Sri Deep Narayan Mahaprabhuji sagt:
"Brüder, ihr macht einen Fehler, wenn ihr denkt, dass ihr euch gegenseitig widersprecht, indem ihr verschiedenen Religionen angehört! Stattdessen solltet ihr als Brüder nebeneinander leben, denn wir sind alle Kinder eines göttlichen Vaters. Gott ist in allen von uns. Es ist nicht von Bedeutung, ob du Moslem, Hindu, Christ, Buddhist oder Jain bist – wenn ihr wirklich gemäß eurer Religion lebt, werdet ihr alle Gott verwirklichen."
Die spirituellen Vorträge des Autors dieses Artikels, Seiner Heiligkeit Paramhans Swami Maheshwarananda kann man auch auf http://swamiji.tv/ ansehen.
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